Prüfung des Stands der Harmonisierungsbemühungen von IASB und FASB
Die wichtigsten Punkte zu diesem Thema wurden schon bei der
gemeinsamen Sitzung von IFRS-Stiftung und FAF am 29. März
beschrieben - die entsprechende Mitschrift finden Sie
hier. Es wurden jedoch eine Reihe
interessanter Punkte angesprochen, die auf der damaligen Sitzung
nicht erörtert worden waren.
Der Vorsitzende des IASB, Sir David Tweedie, erkannte an,
dass die Finanzinstrumente das Projekt des Arbeitsabkommens
sind, bei dem es am wahrscheinlichsten sei, dass es zu keiner
Harmonisierung mit dem FASB kommt. Einer der US-amerikanischen
Treuhänder hielt jedoch fest, dass bei weitem noch nicht klar
sei, dass der Ansatz des FASB, immer den beizulegenden Zeitwert
in der Bilanz zu zeigen, akzeptiert würde. Er wies darauf hin,
dass insbesondere bei Schuldtiteln der Ansatz über die
fortgeführten Anschaffungskosten als der bessere, nützlichere
Wert angesehen würde — besonders bei vielen kleinen und
mittelgroßen Finanzinstituten. Ein anderer US-amerikanischer
Treuhänder hielt fest, dass es wichtig sei, dass der FASB seinen
umfassenden Entwurf veröffentliche, damit eine informierte
Diskussion beginnen könne.
Einige Treuhänder fragten, wie weit der IASB in Bezug auf die
Meilensteine im Arbeitsabkommen sei. Der Vorsitzende des IASB
sagte, dass er zuversichtlich sei, dass die sieben notwendigen
Entwürfe wie vorgeschrieben bis Ende Juni 2010 veröffentlicht
werden würden. Der Board und der Stab hielten an den
Meilensteinen fest, und der Board würde zusätzliche Sitzungen
wenn immer notwendig einschieben, um dieses Ziel zu erreichen.
Andere Fachprojekte des IASB
Der Vorsitzende des IASB gab einen Überblick über die die
Fortschritte bei anderen Fachprojekten des IASB. Seine einzige
Sorge war, dass der IASB seine Vorschläge zu
Versicherungsverträgen als Entwurf allein des IASB
veröffentlichen müssen werden könne, wenn der FASB (der versucht
den IASB bei diesem Projekt einzuholen) seine Erwägungen nicht
rechtzeitig abschließen würde. Dieser Ansatz sei aber dem
Verlust einiger Jahre der Bemühungen des IASB vorzuziehen.
Der Vorsitzende der IFRS-Stiftung lud Paul Cherry ein, den
Vorsitzenden des IFRS-Beirats, mit Sir David zusammen die
vorbereitenden Arbeiten vorzustellen, die unternommen würden im
Hinblick auf die Einschätzung, welche Themen und welche
Prioritäten für die Agenda nach dem Juni 2011 in Frage kommen
könnten. Cherry hielt fest, dass der Beirat nicht nur nach
Themen suchen würde, denen sich der IASB widmen könne, sondern
auch Sachverhalte identifizieren würde, die sich auf Führung und
Überwachung beziehen und von den Treuhändern abgehandelt werden
sollten.
Sir David wies darauf hin, dass der IASB erwarte, eine
öffentliche Konsultation zu der Agenda für die Zeit nach Juni
2011 und den entsprechenden Prioritäten im Dezember 2010
anstoßen wolle.
Bericht des Überwachungsausschusses für den Konsultationsprozess
Antonio Vegezzi stellte verschiedene Themen vor, die in den
Zuständigkeitsbereich des Überwachungsausschusses für den
Konsultationsprozess fallen.
Entwicklungen der Erweiterungen der IFRS-XBRL-Taxonomie
Die Treuhänder genehmigten einen Geschäftsplan, mit dem die
Gründung eines neuen Gremiums, das sich der Entwicklung und der
Pflege von Erweiterungen der IFRS-Taxonomie widmet, erleichtern
würde. Die Umsetzung des Geschäftsplans hängt von der Sicherung
einer Finanzierung des Projekts ab, da es aus dem Rahmen des
gegenwärtig vereinbarten Budgets fällt.
Andere XBRL-Aktivitäten
Vegezzi berichtete über andere Aspekte der Aufsicht der
Treuhänder über das XBRL-Projekt. Es gab keine Diskussion.
Jährlicher Bericht der Aufsichtsaktivitäten über den
Konsultationsprozess
Die Treuhänder nahmen die Zusammenfassung über die
Aktivitäten des Ausschusses entgegen (diese wird auf der
Unterseite der Treuhänder der Internetseite des IASB zur
Verfügung gestellt). Es gab keine Kommentare.
Aufsichtsaktivitäten im Hinblick auf Benchmarking
Vegezzi hielt fest, dass der Ausschuss prüfen würde, wie
andere Aufsichtsorgane im öffentlichen Interesse ihre Funktion
erfüllen, um sicherzustellen, dass die Prozesse der
IFRS-Stiftung die ehesten sachgerechten sind.
Vegezzi wies außerdem darauf hin, dass der Ausschuss die
Zusammensetzung, den Auftrag und die Wirksamkeit des Interpretations Committee
prüfen würde. Nachdem der IASB, der Beirat und die
Arbeitsgruppen in den rund zwei letzten Jahren geprüft worden
seien, sei nun das Interpretations Committee an der Reihe. Als
Reaktion darauf entgegnete ein Treuhänder, dass der Ausschuss
für den Konsultationsprozess seine eigentliche Aktivitäten
priorisieren solle, da sieben kritische Dokumente des
Konsultationsprozesses in den nächsten Monaten herausgegeben
werden sollen. Dies solle der Sicherstellung dienen, dass der
gesamte Konsultationsprozess befolgt würde und man bereit ist,
den IASB zu verteidigen, wenn Vorwürfe erhoben würden, dass der
Prozess nicht befolgt worden sei. Diese eine Aktivität sei
seiner Meinung nach bei weitem wichtiger als das Interpretations Committee oder XBRL.
Jährliches Verbesserungsprojekt
Vegezzi hielt fest, dass der nationale Standardsetzer von
Frankreich (ANC) formell darüber Beschwerde erhoben habe, wie
der Umfang des jährlichen Verbesserungsprojekts ausgelegt und
wie es durchgeführt werde. Der IASB werde klarer definieren,
welche Sachverhalte im jährlichen Verbesserungsprojekt
adressiert werden können und welche Sachverhalte mit anderen
Mitteln geklärt werden müssten.
Bericht des Vorsitzenden des IFRS-Beirats
Der Vorsitzende des IFRS-Beirats, Paul Cherry, gab einen
umfassenden Bericht über die Jüngsten Aktivitäten des Rats. Er
unterstrich die Bedeutung der Reaktionen auf die
Finanzmarktkrise und gab der Unterstützung des Beirats für einen
umfassenden Standard zu Finanzinstrumenten statt eines
shäppchenweise ersetzten Standards Ausdruck. Bei der Vorsorge
für Kreditverluste drückte Cherry die Unterstützung des Beirats
für den früheren Ansatz von Kreditverlusten Ausdruck, egal ob
man es eingetretene oder erwartete Verluste nenne. Nach Ansicht
des Beirats ist Konvergenz wünschenswert; obwohl es ein
allgemeines Verständnis für die Abweichung in der Anwendung des
beizulegenden Zeitwerts geben (Klassifizierung und Bewertung)
und mögliche Sicherungsbilanzierung, würden die Anwender
Abweichungen bei der Wertminderung nicht verstehen.
Im Hinblick auf den Stellungnahmeprozess in Bezug auf IAS 37
drückte Cherry einige Zweifel aus. Seiner Meinung nach sollte
der Board aus seinen früheren Erfahrungen Lehren ziehen und die
Kommunikation bei sensiblen Themen überdenken. Er betonte, dass
der Konsultationsprozess und die Teilnahme daran im Endeffekt
wichtiger sei als die Frage, ob die Anwender einen bestimmten
Vorschlag unterstützten.
Die Treuhänder betonten, dass die Kommunikation und die
Einbindungsaktivitäten sogar noch eine größere Rolle spielen
würden, wenn man die erwartete Herausgabe von mehreren Entwürfen
bedenke, von denen einige sicher strittig sein würden. Cherry
hielt fest, dass die direkte Einbindung und Ansprache der
Anwender in Form von Gesprächen am Runden Tisch wirksamer als
ein formaler Prozess seien, in dem Stellungnahmen erwartet
werden. Als Beispiel wies er darauf hin, dass der Board ein
ernstes Problem in Bezug auf die direkte Methode bei den
Kapitalflüssen habe. Seiner Meinung nach gelangt die Meinung des
Boards vor dem Hintergrund des allgegenwärtigen Widerstandes
nicht rechtzeitig genug an ihr Zielpublikum
(Vorstandsvorsitzende und Vorstände und Aufsichtsräte
allgemein).
Schließlich hielt Cherry fest, dass die Mitglieder des
Beirats einen Bedarf an Ausbildungsmaterialien im Hinblick auf
IFRS für Wachstumsmärkte ausgemacht hätten. Seiner Meinung nach
bedürften solche Länder keines eigenen Satzes von Standards aber
hätten das Gefühl, dass die gegenwärtigen und vorgeschlagenen
Standards komplex seien und sich komplexen Themen widmeten, die
in ihren Märkten nicht weit verbreitet seien. Daher sollten sich
jegliche Leitlinien den grundlegenden Aspekten der Standards
widmen.
Prüfung der IFRS-Stiftung
Tom Seidenstein, der Vorstand der IFRS-Stiftung, hielt fest,
dass die Treuhänder vereinbart hätten, eine vollständige
strategische Prüfung der IFRS-Stiftung in der Zeit direkt nach
dem Juni 2011 vorzunehmen. Diese Prüfung würde wahrscheinlich
dem Zeitraum von 2011 bis 2016 gelten und eine öffentliche
Konsultation aller Interessengruppen sowie das Aufsichtsgremium
beinhalten.
Bei der Entscheidung, welchen Themen die Grundlagen für die
Prüfung sein sollten, hatten die Treuhänder Vorschläge des Stabs
verfeinert und Vorschläge zum größeren Zusammenhang gemacht.
Wenn beispielsweise der IASB die Gruppe der Standards für 2011
erfolgreich abschließt, wäre es angemessen, dass die Treuhänder
versuchen würden, die Marke IFRS zu stärken und die einheitliche
Anwendung der Standards fördern würden. Darüber hinaus sollten
die Treuhänder erwägen, wie die Unternehmensberichterstattung
2016 aussehen könnte, und die Rolle bedenken - wenn es eine
gäbe-, die der IASB in solchen Bereichen wie Nachhaltigkeit oder
Umweltverschmutzungsberichterstattung spielen könnte. Diese
Themen wären zusätzlich zu den grundlegenden Themen von
Führungsstruktur und Finanzierung. Die Hilfe und die Expertise,
die durch den Beirat gegeben wäre, könnte sowohl bei der Planung
als auch bei der Durchführung der Prüfungen grundlegend sein.
Als Ergebnis der Diskussionen haben die Treuhänder
vereinbart, dass sich die Prüfung auf drei Hauptthemen beziehen
soll:

| Führung, Aufsicht und Wirksamkeit der IFRS-Stiftung und der
ihr zugehörigen Organe;
|

| Finanzierung der Organisation; und
|

| Stärkung der Einbindung der Interessengruppen.
|
Finanzierung
Der Stab der IFRS-Stiftung stellte die gegenwärtige
Finanzierungssituation der Organisation vor. Im Wesentlichen
sind die Finanzzusagen die gleichen wie im Januar berichtet, es
konnten jedoch einige Wechselkursgewinne als Ergebnis der
Abwertung der britischen Pfunds gegenüber der amerikanischen
Dollar und dem Euro erzielt werden. Diese Gewinne werden zu
einem gewissen Grad durch Verluste aus Verträgen in
ausländischen Währungen wett gemacht.
Die Treuhänder erörterten kurz die Situation. Sie hielten
fest, dass sie in der asiatisch-pazifischen Region
Beitragszahlungen hätten einwerben können, die in einer Art und
Weise erfolgten, sie sehr sachgerecht und aktuelle sei. Es gäbe
einige "Schnorrer", in deren Rechtskreisen eventuell auch das
Urheberrecht verletzt würde. Die Treuhänder aus dieser Region
arbeiten an einer Lösung dieser Fälle.
Budgetbasierte EU-Finanzierung
Die Treuhänder prüften die offiziellen Dokumente, die die
Grundlage der europäischen budgetbasierten Finanzierung für die
IFRS-Stiftung für den Zeitraum 1. Januar 2010 bis 31. Dezember
2013 bilden. Insbesondere erörterten die Treuhänder
Beschluss Nr. 716/2009/EG
des Europäischen Parlaments und des Rates, in dem die
Ausgestaltung und die Bedingungen des Finanzierungsprogramms
festgelegt sind.
Eine folgenreiche Zwischenbemerkung erfolgte von dem
Treuhänder Sir Bryan Nicholson, der über seiner Erfahrungen aus
dem internationalen Aufsichtsgremium im öffentlichen Interesse
(Public Interest Oversight Board, PIOB) des internationalen Wirtschaftsprüferverbandes (International Federation of Accountants,
IFAC) sprach, das am Tag vor der Sitzung die gleichen
Sachverhalte erörtert hatte (das PIOB erhält ebenfalls
budgetbasierte EU-Finanzierung). Seiner Meinung nach würden die
bedeutenden Beiträge von Frankreich und Deutschland nicht
aufrecht erhalten, wenn der Finanzierungsprozess der EU
eingerichtet ist. Darüber hinaus sei EU-Finanzierung ein
"bürokratischer Alptraum" und die Treuhänder — sowohl die
Mitglieder des Finanzierungsausschusses als auch die
EU-basierten Treuhänder — hätten viel Arbeit vor sich, um sich
für die Herausforderungen zu wappnen, die die EU-Finanzierung
mit sich bringen würde. Am wichtigsten sei es, ein ordentliches
gemeinsames Verständnis mit der EU-Kommission zu erzielen, was
die Bedingungen von Beschluss Nr. 716/2009/EG (die er
"undurchsichtig" nannte) wirklich bedeuten würden. Wenn die
Treuhänder dieses Verständnis nicht erzielen könnten, würden sie
ihre treuhänderische Pflicht verletzen. Die IFRS-Stiftung müsse
Ressourcen und Prozesse entwickeln, die es ihr gestatten würden,
konstruktiv mit der EU-Bürokratie auf wenig bürokratische aber
dafür wirksame Weise zusammenzuarbeiten.
Sir Bryan Einwurf führte zu einer lebhaften Diskussion,
insbesondere unter der EU-basierten Mitgliedern, von denen sich
einige gleichermaßen über den möglichen Einfluss der
EU-Kommission und des EU-Parlaments besorgt zeigten. Als
Ergebnis wurde vereinbart, dass der Vorsitzende der
IFRS-Stiftung das Gespräch mit dem Binnenmarktkommissar suchen
sollte, um festzustellen, ob die Verbesserungen an der Führung
der Stiftung aus den Jahren 2009 und 2010 die EU-Kommission und
das EU-Parlament zufriedenstellten, und einen Dialog zu
eröffnen, der dem Erzielen eines gemeinsamen Verständnisses der
Bedingungen, die sich an die Finanzierung knüpfen, gilt. Nach
Ansicht des Vorsitzenden sollte der Kommissar bereit sein, die
Sache der Stiftung vor dem Parlament zu vertreten, wenn er sich
überzeugt hat, dass die Stiftung die Bedingungen erfüllt hat,
die in dem Beschluss enthalten waren und der Qualifizierung für
das Finanzierungsprogramm galten.
Ein US-basierter Treuhänder hielt fest, dass jegliche
regierungsgebundene Finanzierung ihren Preis habe, sowohl in
Hinblick auf politischen Einfluss als auch auf Bürokratie. Wenn
die US-amerikanische Wertpapier- und Börsenaufsicht (Securities and Exchange Commission, SEC)
eine Art von Us-basierter Finanzierung einrichten solle, dann
müsse die Stiftung darauf vorbereitet sein, dass der Kongress
ein gewisses Interesse zeigen würde und dass es auch zu einem
gewissen Maß an Bürokratie kommen würde. Ein anderer
US-basierter Treuhänder schlug vor, dass es nützlich sein könne,
die Bedingungen und Verpflichtungen unter den
Finanzierungssystemen der hauptsächlich beitragenden
Rechtskreise anzugleichen, so dass die Stiftung sich nicht
unzähligen und eventuell zueinander im Widerspruch stehenden
Anforderungen ausgesetzt sehe.
Es wurde der Hoffnung verliehen, dass die Vorsitzende der SEC
auf der Sitzung des Überwachungsgremiums am 1. April im Hinblick
auf ein amerikanisches Finanzierungssystem über Fortschritte
werde berichten können.
Diese Zusammenfassung basiert auf Notizen, die von Beobachtern bei der Sitzung gemacht wurden. Sie
sind nicht als offizielle oder endgültige Zusammenfassung zu verstehen.
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