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Papier des Stabs der SEC zum sogenannten 'Übernahmisierungsansatz' für die IFRS in den USA

27.05.2011

Der Stab der US-amerikanischen Wertpapier- und Börsenaufsicht (Securities and Exchange Commission, SEC) hat ein Papier herausgegeben, in dem ein möglicher Ansatz für die Einführung der IFRS in den Vereinigten Staaten untersucht wird.

Paul A. Beswick, stellvertretender Leiter der Abteilung Rechnungslegung der SEC, hatte auf der jährlichen Konferenz des amerikanischen Instituts der Wirtschaftsprüfer (American Institut of Certified Public Accountants, AICPA) im Dezember 2010 einen Ansatz vorgeschlagen, den er 'Übernahmisierung' nannte, eine Kombination aus Übernahme und Harmonisierung (s. dazu unsere Nachricht vom 9. Dezember 2010).

In dem Papier des SEC-Stabs werden die verschiedenen Möglichkeiten der IFRS-Einführung in einzelnen Rechtskreisen erörtert; insbesondere wird auf die Unterscheidung zwischen Übernahme und Harmonisierung hingewiesen. Der Stab gelangt zu der Schlussfolgerung, dass der 'Übernahmisierungsansatz' im Wesentlichen ein Übernahmeansatz ist, der viele Charakteristika mit den Einführungsansätzen in anderen Rechtskreisen teilt. Während einer Übergangsperiode jedoch würden Merkmale eines Harmonisierungsansatzes verwendet, um bestehende Unterschiede zwischen den IFRS und US-GAAP zu adressieren. Insbesondere ginge es um die Beibehaltung eines US-amerikanischen Standardsetzers (FASB), der den Übergangsprozess erleichtern würde, indem er über einen festgesetzten Zeitraum von beispielsweise fünf bis sieben Jahren IFRS in US-GAAP integriert.

Wir übersetzen Ihnen nachfolgend einen Auszug aus dem SEC-Papier:


Überblick

Am Ende der Übergangsperiode wäre das Ziel, dass ein US-Emittent, der US-GAAP befolgt, gleichzeitig in Anspruch nehmen kann, die IFRS wie vom IASB herausgegeben zu befolgen. Die Einführung der IFRS über das [US-GAAP] Rahmenkonzept hätte das Ziel, zu einem Satz hochwertiger, weltweit akzeptierter Rechnungslegungsstandards zu gelangen, während dies auf eine pragmatische Art und Weise erfolgt, die sowohl die Kosten als auch den sonstigen Aufwand minimieren könnte, die notwendig sind, um die IFRS in das Rechnungslegungssystem für US-amerikanische Emittenten zu integrieren. Gleichzeitig ständen die Vereinigten Staaten im Einklang mit anderen Rechtskreisen, indem das Recht des nationalen Standardsetzers bestehen bleibt, Rechnungslegungsstandards für die Vereinigten Staaten zu verabschieden.

Rolle des FASB in den Vereinigten Staaten

Zusätzlich zur Integrierung von neuen IFRS-Änderungen in US-GAAP würde der FASB auch seine Aufgabe als nationaler Standardsetzer wahrnehmen, wenn er aufgrund seiner Erfahrung im Hinblick auf die laufende Interpretation oder Anwendung der in US-GAAP integrierten IFRS zu dem Schluss kommt, dass zusätzliche oder interpretierende Leitlinien für US-amerikanische Anwender notwendig sind. Nach dem vorgesehenen Rahmenkonzept würde der FASB zuerst versuchen, das Problem zu lösen, indem er den IASB über mögliche Regelungslücken in den verbindlichen Leitlinien informiert und ihm ein Lösung empfiehlt, wie dieses praktische Problem gelöst werden könnte. Schlussendlich könnte der FASB jedoch auch zu dem Schluss kommen, dass keine Lösung des Problems erreicht werden kann oder dass der Zeitplan, der für die Lösung notwendig ist, nicht den Bedürfnissen der US-Kapitalmärkte entspricht.

Dann könnte der FASB seine Rolle in einer oder mehrerer der folgenden Art und Weisen wahrnehmen:

  • Es werden zusätzliche Angabevorschriften hinzugefügt, die über diejenigen in den IFRS hinausgehen, um US-spezifische Probleme auf eine Art und Weise zu lösen, die im Einklang mit den IFRS steht.
  • Es wird vorgegeben, welche von zwei oder mehr möglichen alternativen Bilanzierungsmethoden, die in den IFRS enthalten sind, von US-Emittenten zu wählen ist, um in der US-amerikanischen Praxis mehr Einheitlichkeit zu gewährleisten.
  • Es werden in Bezug auf Sachverhalte, die nicht explizit in den IFRS geregelt sind, Vorschriften erlassen, die mit den IFRS im Einklang stehen. Insbesondere könnte der FASB entscheiden, bestimmte Vorschriften bestehen zu lassen, die bereits nach US-GAAP existieren, wobei eventuell notwendige harmonisierende Änderungen vorgenommen würden.

Wenn der FASB in dieser Rolle aktiv würde, könnten "amerikanisierte" IFRS entstehen. US-spezifische Umstände jedoch, aufgrund derer der FASB in Erwägung ziehen würde, sollten den Bedingungen ähnlich sein, unter denen die SEC ihrer Rolle ausübt und an den vom FASB herausgegebenen Standards Änderungen oder Ergänzungen vornimmt; Modifizierungen wären also sehr selten und könnten im Allgemeinen vermieden werden.

Die SEC hat ihre Entscheidung noch nicht gefällt, ob und ggf. wie IFRS in das Rechnungslegungssystem für US-amerikanische Emittenten übernommen werden sollen. Im Papier des Stabs wird ausdrücklich festgehalten, dass nicht beabsichtigt ist, nahezulegen, dass die SEC entschieden hat, die IFRS zu übernehmen, oder dass der 'Übernahmisierungsansatz' vorgezogen wird oder auch nur ein möglicher Ansatz ist. Im Papier wird auch festgehalten, dass der Stab der SEC weiterhin mögliche Methoden und Auswirkungen einer Option auf vorzeitige Anwendung der IFRS durch US-Emittenten untersucht und auch der Frage nachgeht, wie diese im Zusammenhang mit dem im Papier vorgestellten Ansatz und allgemein einzuschätzen sind.

Die SEC bittet um Stellungnahmen zu dem Papier bis zum 31. Juli 2011. Es steht Ihnen im englischen Original auf der Internetseite der SEC zur Verfügung (147 KB).