Letzte Notizen vom Weltkongress der Rechnungsleger

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17.11.2006

Beim Weltkongress der Rechnungsleger in Istanbul (Türkei) wurde die letzte Sitzung am 16. November 2006 abgehalten.

Mehr als 5.000 Vertreter aus 120 Ländern nahmen an der viertägigen Sitzung teil. Nachfolgend finden Sie die Notizen unserer internationalen Kollegen zu einigen Sitzungen des dritten und letzten Kongress-Tages.

Notizen vom 17. Weltkongress der Rechnungsleger

Istanbul, Türkei, 16. November 2006

Seminar: Entstehen des Berufstandes der Rechnungsleger in der CIS

Ndung'u Gathinji (CEO, ECSAFA in Kenia) hatte den Vorsitz einer Sitzung zur Untersuchung, wie Rechnungsleger in der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (Commonwealth of Independent States, CIS) den Übergang von einer gesteuerten Nachfragewirtschaft zur Marktwirtschaft bewältigen.

Frederic Gielen (Financial Reporting Council in Großbritannien, ausgeliehen von der Weltbank) merkte an, dass eine umfassende Reform des Finanzsystems in der CIS vonnöten war, als sich die Region in den neunziger Jahren der Marktwirtschaft gegenüber sah. Er sagte, dass die Weltbank (World Bank) einen Zusammenhang zwischen einer soliden Finanzberichterstattung und der Verringerung der Armut sieht und ein Verfechter von verbesserten Standards und Übereinstimmung ist. Grundlegend hierfür war der "Report in Systems and Codes (ROSC)" der Bank. Gemäß der Vorgehensweise des ROSC stellt der Berufsstand der Rechnungsleger eine Hauptstütze einer stabilen Finanzarchitektur dar. Die ROSC-Beurteilung wurde in fünf Ländern der CIS abgeschlossen. Er merkte an, dass der Fortschritt sehr ermutigend ist, allerdings gäbe es noch Gebiete, die verbessert werden können - etwa die Vergütung von Akademikern im Bereich Rechnungslegung.

Igor Kozyrev (Stellvertretender Chief Accountant, Lukoil in Russland) sprach über die Art und Weise der Veränderung und Entwicklung des Berufstandes der Rechnungsleger in Russland, insbesondere seine Nachfrage beim Übergang von einer gesteuerten zu einer Marktwirtschaft. Er merkte an, dass Rechnungsleger im System der Sowjetunion einen Teil eines Übereinstimmungsystemes darstellten und oft mit forensischen Untersuchungen beschäftigt waren. Der Übergang zur Marktwirtschaft war schwer, da die notwendige Erfahrung im Umgang mit Ermessensentscheidungen (im Gegensatz zur Befolgung von staatlich vorgegebenen Vorschriften) nicht vorhanden war - sowohl technisch als auch psychologisch. Er stellte fest, dass die Rechnungslegungsreform in Russland die Qualität der Finanzberichterstattung als auch die Qualität der Unternehmensführung und die Verwendung der Ressourcen verbessert hat.

Professor Adolf Enthoven (Universität Texas, USA) gab einen Überblick zur Entwicklung des Berufstands der Rechnungsleger in Russland und merkte an, dass dieser vor 1917 den Entwicklungen des europäischen Berufstandes gefolgt sei. Die Revolution im Jahre 1917 hatte zur Folge, dass der Zweck der Rechnungslegung und ausgetauschten Rechnungslegern darin bestand, der staatlichen Zentralplanung zu dienen, was gut durchgeführt wurde. Er stellte fest, dass der Berufstand einige Herausforderungen zu bewältigen hat - nicht zuletzt durch das Fehlen einer mit einem offiziellen Status versehenen IFRS-basierten Finanzberichterstattung sowie durch einer formalen Vorgehensweise durch Aufsichtsbehörden. Er beobachtete jedoch, dass sich Änderungen abzeichnen und bis 2010 die Durchführung von wesentlichen Reformen erwartet wird.

Rick Gurley (US AID, Ukraine) gab einen Bericht zur Beteiligung von US AID an der Entwicklung eines anerkannten Curriculums der Rechnungslegung und Qualifikation in der CIS. Auf Grundlage von IFRS und ISA, dem Moralkodex (Code of Ethics) der IFAC und ähnlichen weltweit anerkannten Vereinigungen sowie der Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Wirtschaftsprüfer in Kanada (Certified General Accountants) wurde die "Certified International Professional Accountant, CIPA" Qualifizierung entwickelt. Das CIPA-Examen wird von einem unabhängigen Träger unter der Schirmherrschaft von IFAC, US AID und dem Eurasia Council of Certified Auditors and Accountants (ECCAA), einer regionalen Abteilung anerkannt durch IFAC, veranstaltet. Das CIPA-Examen war sehr erfolgreich in dieser Region und es besteht die Hoffung, dass es auch in anderen Regionen zur Anwendung kommt.

3. Plenarsitzung

Diese Sitzung hatte die Wertschaffung durch in der Wirtschaft tätige Rechnungsleger zum Thema.

Graham Ward (scheidender Präsident der IFAC, Großbritannien) eröffnete die Sitzung mit der Anmerkung, dass IFAC in den letzten Jahren wesentliche Ressourcen dafür verwendet hat, die Rolle der in der Wirtschaft tätigen Wirtschaftsprüfer hervorzuheben. In der Wirtschaft tätige Wirtschaftsprüfer bringen (aufgrund ihrer Ausbildung) die notwendigen Fähigkeiten für Unternehmen mit und verwenden diese zur Wertschaffung.

Barbara Judge (Stellvertretende Vorsitzende des Financial Reporting Council, Großbritannien) ist keine Rechnungslegerin, sondern gelernte Juristin und ehemalige Beauftragte der US-amerikanischen Wertpapieraufsichtsbehörde (Securities and Exchange Commission, SEC). Sie sprach über ihre persönlichen Erfahrungen als Direktorin eines Unternehmens und ihre Wertschätzungen, einen professionellen Rechnungsleger, der Mitglied einer durch die "Codes of Conduct and Ethics" des IFAC regulierten Einrichtung war, im Board eines öffentlich rechnungslegenden Unternehmens zu haben.

Sie stellte fest, dass die Welt heutzutage von Zahlen und Echtzeit-Berichterstattung bestimmt wird. Der professionelle Rechnungsleger kann Fehler "fühlen und sehen" und somit schnell die richtigen Fragen stellen, um Probleme schnell zu erkennen. Unternehmensorgane (Board of Directors) benötigen solche Fachkenntnisse, speziell im Vorsitz des Prüfungskomitees, wo ihrer Meinung nach, immer ein professioneller Rechnungsleger vertreten sein sollte. Der Vorstand ist auch verantwortlich für Governance und Ethik - welche professionelle Wirtschaftsprüfer als Mitglieder von IFAC-Mitgliedsgesellschaften mit sich bringen. Die Geschäftsführung ist auch verantwortlich für die Strategie des Unternehmens; Wirtschaftsprüfer können ihre Geschäftsführungskollegen bei der Konzentration auf Strategie und strategische Risikobeurteilungen únterstützen.

Zum Schluss merkte sie an, dass sich die Anwesenden bewusst machen sollten, dass der Vorstand auch für interne Kontrollen verantwortlich ist, und dass Wirtschaftsprüfer ihre Kollegen bei Verständnisfragen unterstützen können. Die Fachkenntnisse der Wirtschaftsprüfer halfen ihr, als Vorstandsvorsitzende und Direktor anderer Unternehmen, nachts trotz eines "Sarbanes-Oxley Umfeldes" schlafen zu können.

David Hastings (Shell, Kanada) betrachtete, wie in der Wirtschaft tätige Wirtschaftsprüfer Werte für ihre Unternehmen erzeugen: Identifizierung wo, wie und warum Werte geschaffen werden.

Der Wirtschaftsprüfer ist von zentraler Bedeutung, um Wertetreiber (Value Driver) in der heutigen Wirtschaft zu erkennen: Innovation, Kundenzufriedenheit, Talentsuche, technologische Auswirkungen und Investition in Marken. Sie betrachten das Unternehmen als Ganzes, richten ihr Hauptaugenmerk auf die Kunden während sie versuchen, alle Dimensionen der wirtschaftlichen Umgebung des Unternehmens zu verstehen und Risiko in einer effektiven Weise zu begegnen. Wie etwa die Fähigkeit sowohl mit finanziellen als auch nicht-finanziellen Informationen umzugehen, die im wirtschaftlichen Umfeld gebraucht werden. Werte werden durch die Fähigkeiten von Wirtschaftsprüfern dadurch erzeugt, dass sie Risiken identifizieren und diese bewältigen; globales Denken und Handeln sowie das Erkennen von Schwierigkeiten und Möglichkeiten in einer globalen Wirtschaft.

Mary Keegan (HM Treasury, Großbritannien) sprach über die Rolle der Wirtschaftsprüfer bei der Wertschaffung hinsichtlich Angehörigen eines Staates. Bezüglich Zentralregierungen kann es nichts Besseres geben. Es obliegt der Regierung, die Bereitstellungsleistung gegenüber seinen Bürgern und die Finanzwirtschaft bezüglich öffentlichen Dienstleistungen zu verbessern. Sie merkte an, dass die Regierung in Großbritannien ein "Value for Money" Model verwendet - mit Hauptaugenmerk auf Wirtschaft, Effizienz und Effektivität. Hierbei werden zukünftige Wertetreiber genauso beobachtet wie Vergangenheitsdaten.

Für diese Strategie ist es von zentraler Bedeutung, die richtigen Systeme zur zeitnahen Bereitstellung der angemessenen Daten zu haben; Verwendung dieser Daten zur Verbesserung der Leistung; Durchsetzung einer funktionierenden Governance und angemessene Managementstrukturen überall in der Wertschöpfungskette. Mary Keegan merkte an, dass Anforderungen in Großbritannien durchgesetzt wurden, dass alle Ministerien ein aus nicht-geschäftsführenden Mitgliedern bestehendes Prüfungskomitee haben, und dass alle behördlichen Gremien einen professionellen Wirtschaftsprüfer (der Mitglied einer IFAC-Mitgliedsgesellschaft ist) in der Position des Finanzdirektors besitzen.

Sie merkte an, dass Regierungen Zahlen und nicht Instinkt zur Steuerung verwenden sollten. Somit sind Wirtschaftsprüfer an der zentralen Stelle der Politikformulierung und Bereitstellung der Dienstleistungen angemessen platziert. Sie schloss ihre Bemerkungen ab, indem sie darauf verwies, dass Regierungen die Verantwortung haben, Werte für ihre Bürger zu schaffen. Die Rolle des professionellen Wirtschaftsprüfers ist hierbei unabdingbar. Somit müssen Wirtschaftsprüfer am Tisch sitzen, an dem politische Entscheidungen getroffen werden.

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